Die Geschichte der ersten Video- und Computerspiele geht zurück in die späten fünfziger Jahre. Willy Higinbotham entwickelte 1958 das Videospiel Tennis for two, welches an einem Oscilloscope der Brookhaven National Laboratory gespielt wurde. Tennis for two zeigte eine zweidimensionale seitliche Aufsicht auf den Tenniscourt und wurde über zwei ruderähnliche Eingabeinstrumente bedient.
Da diesem Spiel aber keine Computertechnik zugrunde liegt, kommt der Titel erstes Computerspiel dem Spiel Spacewar! (fertiggestellt 1962) zu. Spacewar! wurde von Stephen Russell, J. Martin Graetz und Wayne Witanen auf einem DEC PDP-1 Computer entwickelt und gespielt 1. Die PDP-1 war der erste Minicomputer (obgleich eine komplette Ausstattung dieses Computers einen halben Raum füllen konnte (siehe Abb.1), hatte auf heutige Verhältnisse umgerechnet neun KB Arbeitsspeicher, einen Prozessor mit 0,2 MHz Arbeitstakt und die Fähigkeit, einfache Vektorgraphiken auf einem kreisrunden Bildschirm auszugeben (Abb.2)). Spacewar! war primär eigentlich ein Demonstrationsprogramm, welches nach folgenden drei Kriterien entwickelt wurde: es sollte erstens die vorhandenen Ressourcen des Computers möglichst weit ausschöpfen, es sollte zweitens interessant bleiben, d.h. jeder Programmablauf sollte unterschiedlich sein, und drittens sollte es den Computernutzer in einem unterhaltsamen und aktivem Weg mit einbeziehen das Ergebnis war ein Spiel. Es bestand aus zwei von den Spielern steuerbaren Raketen, welche vor dem Hintergrund eines Sternenhimmels (eine Nachahmung eines Teils der nördlichen Hemisphäre, und zwar einem Ausschnitt aus dem Sternbild des Minotaurus) langsam auf den Bildschirmmittelpunkt (der durch eine Sonne gekennzeichnet wurde) zusteuerten (siehe Abb.3). Ziel des Spiels war es, die Kollision mit der Sonne zu vermeiden und die gegnerische Rakete abzuschießen. Jeder der beiden Spieler konnte dabei vier Operationen ausführen: nach links oder rechts steuern, beschleunigen und feuern. Anfangs erfolgte die Steuerung noch direkt über ein Schaltpult am Computer, später wurden speziell für dieses Spiel Eingabegeräte entwickelt, ähnlich einer Fernbedienung für Modellflugzeuge. Spacewar! wurde innerhalb der USA ein Erfolg, da es über Kassetten kostenlos verteilt, und schließlich als Diagnoseprogramm standardmäßig auf allen DEC Rechnern installiert wurde.
Das änderte sich entscheidend, als Noland Bushnell das Spiel Spacewar! an der Universität von Utah sah. Zusammen mit Bill Nutting produzierte er 1972 das Spiel Computer Space (Abb. 5) von dem unter der (1970 gegründeten) Firma Syzygy Engeenering insgesamt 1500 Einheiten verkauft wurde. Dieses Spiel wurde in einer aufwendigen Fiberglasverkleidung präsentiert (Abb.6). Anders als in Galaxy Game wurde das Spielkonzept von Computer Space gegenüber Spacewar! verändert, so spielte jetzt ein Spieler gegen zwei Computergegner in Form von zwei fliegenden Untertassen, und die Sonne als Zentrum des Spiels wurde entfernt. Trotz der 1500 verkauften Einheiten betrachteten Bushnell und Nutting Computer Space als Misserfolg, da es für einen wirklichen Massenerfolg zu kompliziert zu spielen und zu teuer in der Herstellung sei. Nachdem sich herausstellte, dass der Name Syzygy schon von einer Dachdeckerfirma belegt war, gründeten sie 1972 die Firma Atari. Das erste von Atari produzierte Spiel war Pong, eine Art zweidimensionales Tennis (eine Aufsicht von oben auf das Spielfeld) für zwei Spieler (Abb.7). Wie schon Tennis for two war auch Pong kein Computerspiel, sondern ein Videospiel. Mit über 100.000 verkauften Einheiten wurde Pong zum gewünschten kommerziellen Erfolg. Um die Herstellungskosten möglichst niedrig zu halten, beschränkten sich Nolan Bushnell und sein Programmierer Al Alcorn auf ein radikal einfaches Spielkonzept: ein seitlich hin und her wandernder Quader (Ball) muss über je nach Spieler recht und links angebrachte, in der vertikalen Ebene bewegliche Rechtecke (Schläger) im Spiel gehalten werden. Verfehlt einer der Spieler diesen Ball genau fünfzehnmal, hat er verloren und das Spiel ist beendet. Pong hatte über 60 Nachbauten und Variationen und initiierte einen neuen Typus elektronischer Unterhaltung: Spielekonsolen für die privaten Haushalte, welche an den vorhandenen Fernseher angeschlossen werden. Das erste Gerät dieser Art wurde 1972 von der Firma Magnavox produziert und hieß Odyssey (Abb.8). Es war so einfach konstruiert11, dass es nicht einmal den äußeren Rahmen des Tennisfeldes darstellen konnte, folglich musste dieser vom Spieler auf den Fernsehapparat aufgeklebt werden. Ein kommerzieller Erfolg blieb völlig aus, dieser kam erst drei Jahre später mit dem Atari PONG Heimvideospielsystem. Bis zum Jahr 1976 folgten die Spielekonsolen den Arcade Konsolen: auf einem System funktionierte im wesentlichen nur ein Spiel, technisch möglich waren meist über Schalter am Gerät nur geringfügige Modifikationen eines Spielkonzeptes. Das änderte sich erst 1976 mit dem Fairchild Channel F System (Abb.9), welches mittels eines Konzeptes von austauschbaren Datenträger (ROM Cartrigdes, Abb.10). Es erlaubte, verschiedene Spiele auf einer Hardware ablaufen zu lassen. In der dreijährigen Produktionszeit wurden insgesamt 26 Spiele veröffentlicht. Parallel zu den Arcade Spielen und Pong sollte auch bei dieser neuen Gerätegattung sich der kommerzielle Erfolg erst mit einem Gerät von Atari einstellen: 1977 produzierte Atari das Video Computer System (VCS, Abb.11), welches kurze Zeit später in Atari 2600 umbenannt wurde 4. Dieses System war das erfolgreichste aller Spielekonsolen und wurde bis Ende der achtziger Jahre mit mehr als 14 Millionen Einheiten verkauft.
Schon früh, nämlich 1978, tauchte die erste Spielekonsole mit einer vollständigen Tastatur eine Art Vorläufer der späteren Personal Computer auf: mit dem Gerät Odyssey 2 (in Europa unter dem Namen Philips Videopac vertrieben) versuchte die bis dahin im Arcade-Bereich tätige Firma Magnavox im Heim-Konsolenmarkt Fuß zu fassen, allerdings vergeblich, da im Vergleich zu Ataris 2600 langsamer und mit weniger Spielen ausgestattet. Die mit der Tastatur gegebene größere Flexibilität hinsichtlich der Eingabe von Daten fand im privaten Markt Ende der siebziger Jahre kein Interesse5.
Videokonsolen
In den achtziger Jahren wurde die Entwicklung von Spielkonsolen nur noch von zwei japanischen und einem amerikanischen Hersteller bestimmt: Nintendo, Sega und Atari. Ersterer vertrieb 1983 zuerst in Japan den sogenannten Family Computer (Famicom), der ab 1985 unter dem Namen Nintendo Entertainment System (NES, Abb.12) in Amerika und Europa verkauft wurde und bis Ende der achtziger Jahre einen Marktanteil von 90% einnahm 7. Das NES verwendete einen Motorola 6502 Prozessor mit 1,79 Mhz und konnte auf dem Bildschirm 256x240 mit 16 Farben darstellen. Sega hingegen stellte 1986 das Sega Master System (SMS, Abb.13) vor, welches gegenüber dem NES einige Zusätze, wie z. B. eine 3D-Brille aufbot. Atari war mit dem System 7800 (Abb.14) als Nachfolger des 2600 im Vergleich zu Nintendos NES wenig erfolgreich. Mit diesen Geräten war es erstmals für den Heimbereich möglich, eine Graphik in den Spielen anzubieten, welche technisch in der Lage war, sehr reduziert Figuren darzustellen, als sogenannte Pixelgraphik, d. h. die Auflösung war noch so gering, dass die Quader (Pixel), aus denen sich die Graphik zusammensetzte, als solche deutlich zu sehen waren.Diese Einschränkungen in dem Aufbau der Graphik änderte sich mit den Nachfolgegeräten der neunziger Jahre.
Heimcomputer / Personal Computer
Mit dem Spiel Spacewar! aus den sechziger Jahren waren alle wesentlichen Elemente eines Computerspiels definiert. Aber erst in den achtziger Jahren waren die Kosten für Prozessoren (Computerchips) soweit gefallen, dass mit den Computerbasierten Spielen erstmal eine Konkurrenz zu den Videospielen aufkam. Im Unterschied zu den Konsolen, die einen Gebrauch nur im Rahmen einiger fest definierter Spiele erlauben, ist die Architektur eines Computers als von Neumann Architektur so flexibel, dass prinzipiell jede Anwendung ausgeführt werden kann, soweit es die Prozessorgeschwindigkeit und die Verarbeitungskapazität es erlauben. Spiele sind folglich nur eine Teilmenge der auf einem Computer möglichen Anwendungen. Einer der ersten Hersteller, welche auch Spiele für ihre Computer auf den Markt brachte, war die Firma Commodore mit dem Modell VCR-20.